Betroffen

© privat: netzwerk-m (Diagramme)

 

Die Krise und die Spendenwerke

Die wirtschaftliche Seite ist ein wichtiger Aspekt der Corona-Krise. Viele christliche Werke, die auch mit der Evangelischen Allianz verbunden sind, leben zu einem nicht unerheblichen Teil von Spenden. Wie sind sie in den zurückliegenden Monaten von der Pandemie betroffen gewesen? Was sind die Perspektiven für die Zukunft? Und was verändert sich womöglich künftig durch die Corona-Krise?
Um hier einen kleinen Überblick mit Aussagekraft zu bekommen, hat EiNS den Geschäftsführer von netzwerk-m, Thomas Weigel, zur Zusammenarbeit gewonnen. netzwerk-m verbindet als Dachverband 77 Mitgliedsorganisationen mit über 5.400 Hauptamtlichen im Inland, über 1.400 Hauptamtlichen im Ausland sowie über 30.000 Ehrenamtlichen. 34 der Mitgliedsorganisationen haben sich Anfang August an einer Umfrage beteiligt. Die Kern-Ergebnisse der (nicht repräsentativen, gleichwohl informativen) Erhebung:

 

Hohe Spendenabhängigkeit, zahlreiche Kleinspender

Der Umfrage zufolge finanzieren die beteiligten Werke ihre Arbeit zu einem hohen Prozentsatz (71%) mit Spendengeldern, sind also entscheidend darauf angewiesen. (Abb. 3) Die meisten dieser Zuwendungen erhalten sie von Kleinspendern; Großspender sind danach eher die Ausnahme. (Abb. 2)

 

Von Pandemie (mehrheitlich) nicht massiv getroffen

Nach den ersten Monaten der Pandemie, dem Lockdown im Frühjahr und den allmählichen Lockerungen der Eindämmungs-Maßnahmen,erklärt ein großer Teil der befragten Organisationen, dass sie finanziell bisher „kaum“ von der Seuche betroffen sind (67,65%). Demgegenüber erklären immerhin knapp 9 Prozent (8,82%), dass sie durch die Krise „sehr stark“ oder zumindest „stark“ (20,59%) betroffen sind. (Abb. 4) Thomas Weigel fügt ergänzend hinzu, dass Werke, die Freizeit- und Tagungshäuser haben, deutlich mehr von der Krise betroffen seien, schränkt dabei zugleich ein, dass „für diese Arbeit jedoch nur bedingt Spenden eingesetzt“ werden: „Das ist schon gemeinnützigkeitsrechtlich schwierig.“

 

Unterschiedliche Erfahrung

So unterschiedlich die Betroffenheit sich in Zahlen ausdrückt, so differenziert fällt sie auch in Einzelbeschreibungen aus den beteiligten Werken aus. Es spiegelt sich aber auch Besorgnis darin. Einige Stimmen aus der Befragung:

„Zunächst hatten wir große wirtschaftliche Bedenken. Dann kamen für unsere Verhältnisse viele Spenden – auch Sonderspenden als Hilfe, was
Soforthilfen überflüssig machte.“
„Internationale Arbeit in Osteuropa ist von der Krise noch mehr betroffen.“
„Quarantäne einzelner Mitarbeiter wegen Corona, 2 Mitarbeiter infiziert; einige Großspenden haben sehr geholfen, die wegfallenden Einnahmen
auszugleichen.“
„Spenden durch Opfer, da die Gottesdienste ausgefallen sind.“
„Mehr als 50% der Gruppenbuchungen wurden storniert.“

 

Verpflichtende Spendengrundsätze

Eine Frage ist auch das Neben- und Miteinander der Werke mit Blick auf den gesamten „Spendenkuchen“. Weigel sagt dazu: „Nach meiner Erfahrung gibt es generell einen hohen Respekt vor Spendern, und die Spender anderer Werke sind tabu.“ Er verweist darauf, dass alle Mitglieder sich zur Einhaltung der Spendengrundsätze verpflichten, die die Evangelische Allianz in Deutschland aufgestellt hat (vgl. www.ead.de/ueber-uns/netzwerk-und-struktur/werke-und-verbaende/grundsaetzefuer-die-verwendung-von-spendenmitteln-und-der-oeffentlichkeitsarbeit/). Darin heißt es unter Punkt 4 (Umgang mit Adressen): „Zur Spendenwerbung werden keine Spender- und Freundeskreisadressen gekauft, verkauft, gemietet, vermietet oder getauscht. Ausgenommen hiervon sind Beziehungen miteinander rechtlich eng verbundener Unternehmen.“ Die Spendengrundsätze sind eine wichtige Grundlage der Arbeit, betont Weigel: „Auch die EAD investiert hier regelmäßig viel Kraft und Zeit mit ehrenamtlichen Prüfern.“

 

Stabile Entwicklung / Viele offene Fragen

Mit Blick auf die Zukunft („nach“ der Pandemie) rechnen die befragten Mitgliedsorganisationen deutlich mit einer stabilen Entwicklung ihrer Arbeit (70%), mithin auch bei den Spendeneingängen. (Abb. 1) Gleichwohl bleiben hinsichtlich der (bleibenden) Corona-Auswirkungen Unsicherheiten und offene Fragen – wie auch hier eine Reihe von Einzelstimmen zeigen (Auswahl):


„Wenn Maskenpflicht und Abstandsregelungen länger bleiben, bleiben auch Einschränkungen. Inwieweit die Gäste das akzeptieren, ist die große Frage.“
„Weniger Gäste im Tagungsbetrieb möglich, große Veranstaltungen fallen aus, sind für die Zukunft unsicher.“
„Die monatelange, insgesamt gut funktionierende Arbeit im Homeoffice werden die Mitarbeiter in Zukunft häufiger für sich in Anspruch nehmen wollen als vorher. Die Zusammenarbeit oder Meetings wird häufiger Hybridlösungen erfordern (manche Teilnehmer sind präsent, manche virtuell zugeschaltet). Das ist eine Herausforderung für die Technik und eine neue Art der Zusammenarbeit. Die Pandemie hat gezeigt, wie schnell die Interessen und Bedürfnisse von Menschen sich verändern. Als Unternehmen müssen wir darauf ebenfalls flexibel reagieren und Programme oder Angebote passend umstellen bzw. anpassen. Das ist eine Herausforderung für jeden einzelnen Mitarbeiter, aber auch die Führungskräfte.“
„Einschränkungen internationaler Reisen.“
„Wir werden noch deutlicher als bisher kommunizieren müssen, welchen positiven Beitrag wir als christliche Bewegung haben und welchen Wert
es hat, Teilhaber unserer Arbeit zu sein.“
„Personal + Kosten reduzieren, Mehrumsatz generieren, mehr Spender gewinnen.“
„Strategische Planungen sind aktuell nicht möglich.“
„Es ist durchaus möglich, dass aufgrund der Krise zukünftig ein Spendenrückgang erfolgt. Aber wir werden im Glauben auf Gottes Versorgung vertrauen. Seminare/Veranstaltungen – auch zur Spendergewinnung – müssen zukünftig verstärkt online etc. erfolgen.“
„Mission wird anders aussehen. Werden andere Leute brauchen. Finanzen sind ein großes Fragezeichen. Gott hat einen Plan aber es kann sein, dass er völlig anders aussieht als der Status Quo.“
„Langfristig mögliche Arbeitslosigkeit der Spender, wirtschaftliche Engpässe der Partnerwerke in der Mission.“
„Eine Planungsunsicherheit für Reisen und Veranstaltungen während der Coronazeit. Beziehungsarbeit weiterhin aufrecht erhalten / stärken.“