Gegen Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung

Auch Christen sind gefragt – Ein Kongress auf dem Schönblick nimmt sich der Fragen an

Auch dies ist ein Thema während der Corona-Zeit: Prostitution. Vielerorts hat ein Umdenken stattgefunden. Bordelle blieben wegen der Ansteckungsgefahr geschlossen
– und mit der Schließung tauchte plötzlich auf, was vorher verdrängt wurde: das Elend der Frauen (und wenigen Männer), die als Prostituierte arbeiten. Frauen wurden
obdachlos, weil sie keine eigene Wohnung besitzen. Um Kosten zu sparen, warfen die Zuhälter sie aus den Bordellzimmern. Im Bordell zu wohnen, ist nach dem Prostituiertenschutzgesetz von 2017 verboten. Nun wurde sichtbar, wie viele Prostituierte trotz Verbots in diesen Zimmern leben müssen, ohne jede Privatsphäre. In Talkshows sind es Bordellbetreiber und einige wenige Hochglanz-Escorts, die Prostitution als selbstbestimmte und gut bezahlte Sex-Arbeit darstellen. In Wirklichkeit sind die meisten Frauen in diese Situation gezwungen. Experten vom Bundeskriminalamt schätzen, dass 80 bis 90 Prozent der Prostituierten in Deutschland Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution sind. Nach einer neuen Untersuchung stammen vier von fünf Frauen aus dem Ausland, die meisten sprechen kein Deutsch.

 

Kampf gegen Sklaverei hat für Christen eine lange Tradition

Was geht das Christen an? Der Kampf gegen jede Form von Sklaverei und Sklavenhandel hat für Christen eine lange Tradition: Der junge britische Abgeordnete William Wilberforce kämpfte über zwanzig Jahre für die Abschaffung des Sklavenhandels – und hatte nach langem Kampf Erfolg. 1808 wurde der Sklavenhandel im Vereinigten Königreich verboten.

Abraham Lincoln, auf dessen Bibel der erste afroamerikanische Präsident der Vereinigten Staaten, Barack Obama, seinen Amtseid schwor, war Christ und kämpfte im Bürgerkrieg für die Abschaffung der Sklaverei. Theologisch gründet dieses Engagement zunächst im Geschichtshandeln Gottes. „Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus der Sklaverei geführt hat“ – so werden die Zehn Gebote eingeleitet. Gott hat Israel aus Ägypten befreit. Er hat uns als Ebenbilder geschaffen, als freie Menschen, nicht als Sklaven. An seinem Volk Israel wird das exemplarisch deutlich. Auch die Erlösung durch Jesus Christuszielt auf Befreiung: „Wen der Sohn Gottes frei macht, der ist wirklich frei“ (Joh 8,36). Nach Paulus lautete die Botschaft des Evangeliums: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit“ (Gal 5,1), für die Gemeinde soll darum gelten:

„Hier ist nicht Sklave noch Freier“ (Gal 3,28). Sklaverei ist also ein Thema für Christen. „Gegen Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung: Auch Christen sind gefragt“ lautet daher der Titel des Kongresses vom 8. bis 11. November im christlichen Gästezentrum auf dem Schönblick (Schwäbisch Gmünd). Der Kongress wendet sich bewusst an Christen. Veranstalter sind die Evangelische Allianz in Deutschland, der Schönblick sowie Gemeinsam gegen Menschenhandel e.V., IJM Deutschland, Mission Freedom, und die Aktion Hoffnungsland. Viele andere Partner, hochrangige Referentinnen und Vortragende aus der Politik werden dabei sein. Fachleute werden Podien bestreiten und es wird Bibelarbeiten und Gebetszeitengeben. Inhaltlich wird der Kongress über Strukturen und Strategien des Menschenhandels in Deutschland und weltweit informieren. Er erklärt die deutsche Gesetzeslage und zeigt die politische Dimension auf. Der Kongress gibt Betroffenen eine Stimme und macht Lösungsansätze verschiedener Hilfsorganisationen bekannt. Christen und Gemeinden werden zum Handeln ermutigt und wir stehen gemeinsam im Gebet für Betroffene und Helfende ein.

(Der Kongress findet unter Einhaltung der Corona-Regeln statt. Anmeldungen unter www.schoenblick.de.)

 

Der Autor, Uwe Heimowski, ist Politischer Beauftragter der Evangelischen Allianz in Deutschland.