Ausgabe 3/2026
Liebe Freunde der Evangelischen Allianz
„DEIN ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.“ Dieser Satz am Ende des Vaterunsers ist mehr als ein schöner Schlussakkord. Er ist eine geistliche Kurskorrektur. Er lenkt unseren Blick weg von unseren Ängsten, Vorstellungen und unseren Interessen hin zu Christus (siehe Marcus Beier, S. 24). Sein Reich ist kraftvoll; aber nicht machtvoll gemessen in den Maßstäben dieser Welt. Es entwickelt sich, klein und unscheinbar, ist aber durch nichts aufzuhalten (Matthäus 16,18b).
Mit leeren Händen empfangen
Blickwechsel sind notwendig, gerade bei den Themen „Reich Gottes“ und „Macht“. Und auch Kurskorrekturen. Deshalb – und weil es sowohl unter Christen als auch in der säkularen Presse so viele Missverständnisse gibt – haben wir dieses Thema für das vorliegende EiNS-Magazin gewählt. Wir sprechen so selbstverständlich davon, dass „wir das Reich Gottes bauen“. Meinen wir das wirklich? Wer das Reich Gottes mit einem Akkuschrauber oder gar einem Vorschlaghammer bauen will, hat – insbesondere mit Letzterem – in den falschen Werkzeugkasten gegriffen und wenig begriffen. Das Reich Gottes ist kein frommes Do-it-Yourself Projekt. Wir bauen es nicht, weder mit Mehrheiten noch mit Machtmitteln, sondern wir empfangen es – mit leeren Händen! Das ist eine heilsame Entlastung und zugleich eine ernste Korrektur, auf die uns Guido Baltes auf S. 6-7 hinweist. Genau hier setzt dieses EiNS-Magazin an. Wir greifen ein Thema auf, das schmerzt und doch notwendig ist: Glaube, Macht und die Versuchung, Gottes Reich mit weltlichen Mitteln verwirklichen zu wollen. Der Blick in die USA zeigt, wie schnell christliche Frömmigkeit, der Einsatz für christliche Werte, nationale Berufungserzählungen und parteipolitische Loyalitäten ineinanderfließen können und der christliche Glaube instrumentalisiert und damit (ungewollt) verraten wird. Der US-amerikanische Historiker Mark Noll (S. 8-11)
gibt dazu einen differenzierteren Blick auf die Geschichte der USA. In einem meinungsstarken Beitrag (S. 12-14) erläutert Bruce Barron, warum viele weiße US-Evangelikale die Republikaner wählen, aber er als Republikaner erstmals eine Kandidatin der Demokraten unterstützt und sich klar von Donald Trump distanziert. Es zeigt das Ringen eines wichtigen US-Evangelikalen um den richtigen Weg.
Nicht nur in diesen Diskussionen erleben wir die Macht der Worte. Frank Hinkelmann zeigt (S. 16-17), wie leicht „Evangelikalen-Bashing“, Kontaktschuld und Framing eine echte inhaltliche Auseinandersetzung ersetzen, das gesellschaftliche Klima prägen und zu unlauteren Instrumenten der Macht werden. Gegensteuern können wir, indem wir die Mechanismen durchschauen und sprachfähiger werden.
Prüfen und beten
Aber die Gefährdung der Macht liegt nicht nur bei den anderen. Sie liegt auch in unserem eigenen Herzen und in unserer Haltung. Wahrheit ohne Liebe, Mut ohne Demut und Klarheit ohne Sanftmut werden schnell zum Kampf um Einfluss. Wer aber aus Gottes Macht eigene Machtansprüche ableitet, verlässt die Nachfolge Jesu. Darum ist beim Thema Macht auch der Blick nach innen notwendig, denn auch in christlichen Gemeinden kann subtil Macht ausgeübt werden. Prophetie braucht Prüfung, Rechenschaft
und Demut (S. 20-21). Führung braucht Dienst, Verantwortung, Vergebung und Liebe (S. 22-23). Macht ist nicht schon deshalb gut, weil sie von Christen ausgeübt wird. Und in dem allem brauchen wir Orte, an denen unsere Seele zur Ruhe kommt und in Seinem Wort geborgen ist. Dies ist auch eine Frage unseres Lebensstils und hilfreicher „Rituale“ (S. 18-19). Möge dieses Heft helfen, uns neu auszurichten, zu prüfen und zu beten: Dein ist das Reich. Nicht unseres. Dein ist die Kraft. Nicht unsere Durchsetzung. Dein ist die Herrlichkeit. Nicht unser Einfluss. Und vermutlich beginnt das glaubwürdigste christliche Zeugnis genau dort, wo wir aufhören, Gottes Reich mit weltlichen Werkzeugen bauen zu wollen, und anfangen, als Menschen seines Reiches zu leben.
Herzliche Segensgrüße
Ihr
Reinhardt Schink
Vorstand der Evangelischen Allianz in Deutschland
EiNS 3/2026
“Denn DEIN ist das Reich…”
Damit Macht nicht auf Abwege gerät
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